Das Saarland wird Hipster…nicht

Letzte Woche war ich ein paar Tage in Saarbrücken. Wieder war ein trauriger Anlass der Grund der Rückreise, aber wir haben versucht das Beste daraus zu machen.

Diesmal sind mir zwei Dinge besonders aufgefallen.

Samstag Abend, Saarbrücken Altstadt.
Auch wenn es als Saarländer eher ungewöhnlich ist, diesmal haben wir tatsächlich niemanden getroffen den wir kannten. Keine ehemaligen Arbeitskollegen, die zufällig die Bahnhofstraße belagern. Keine Bekannten oder Menschen mit denen ich vor Jahren mal was zu tun hatte. Nichts. Dafür eine endlose Lawine von Franzosen. Wurde während meiner Abwesenheit die Grenze noch weiter verschoben? Haben Franzosen Saarbrücken assimiliert und wir haben es nicht mitbekommen da oben im Osten?

Wir waren spontan eine Pizza in der Futterstraße essen. In dem hip scheinenden Laden war gut was los, die Pizza roch gut, und auch die Tischnachbarn sahen so aus, wie ich das so aus Friedrichshain kenne. Bärte, Hornbrille, Kappe. McFitti wäre stolz gewesen. Zwei Tische weiter das gleiche Schema. Bart, Hornbrille, Kappe. Ich hatte gehofft das sich dieser Look niemals durchsetzen würde, ja dachte gar das er sich niemals aus Berlin weiterverbreiten würde. Weit gefehlt.

Nach dem Essen sind wir ins Hotel zurück. Interessanterweise roch es aus dem “Arbeitszimmer” der Rezeption sehr interessant, auch hier fühlte ich mich etwas an Berlin, bzw. die Ecken sehr spezieller Parks in Kreuzberg, erinnert.

Zum Hotel – wir waren im B&B am Bahnhof – möchte ich nur sagen, das es für zwei Übernachtungen ok war. Wenn man nicht gerade ein Zimmer Richtung Bahnhof erwischt ist es okay. Jeder Aufenthalt der > 2 Tage dauert, sollte aber besser in einem anderem Hotel verbracht werden.

Wie immer komme ich es nicht umhin, an der echt bescheidenen Zugverbindung rumzunörgeln. Bis Frankfurt oder Mannheim ist ja alles schick. Aber es kann fast nicht sein, das man mit der Bahn für knapp 200 km von Frankfurt nach Saarbrücken 2 Stunden 45 Minuten benötigt. Für die 140 km von Mannheim nach Saarbrücken benötigt der genervte Reisende immerhin noch zwei Stunden. Im Gegenzug dauert die Fahrt von 600km von Frankfurt/Mannheim nach Berlin gerade mal 4 Stunden.

Happy Times Decke Stand November

Gehäkeltes: Wärmendes Wolliges!

Stricken war ja schon eine echte Herausforderung (der geneigte Leser erinnert sich sicherlich an die holprigen Anfänge anno Juni 2011), klappt aber inzwischen schon recht gut. Einzig Pullover, Westen und andere “Großstrickstücken” stehe ich noch recht ängstlich und skeptisch gegenüber. Bisher war ein ärmelloses Shirt namens “Elfe”, das einzige was ich wirklich hinbekommen habe an Kleidungsstück:

Elfe-1

Aber nicht ablenken lassen, eigentlich wollte ich ja von anderen Heldentaten schreiben!

Beanie-1Im August hat sich Diana von meinem Stricktreff erbarmt, mir das Häkeln beizubringen. Bisher waren ähnliche Versuche nie von Erfolg gekrönt, doch in der Sonne Pankows an einem lauschigen Samstag-Nachmittag bei Schorle und gutem Essen, nahm dieses waghalsige Experiment tatsächlich diesmal erfolgreiche Züge an. Zwei Wochen später war ich glückliche Besitzerin dieser Häkelmütze, deren Design Diana auf dem Stricktreff “einfach mal so aus dem Ärmel geschüttelt hat” – beeindruckend!

Voller Freude über die neu erworbenen Häkelkünste verfiel ich den Grannys. Alle häkelten sich so tolle Granny Square Decken und ausgerechnet ich sollte keine haben? Durch ein unvorhergesehenes Ereignis in meinem Leben, das meine Zukunft maßgeblich mitgestalten sollte, war mir  danach etwas gute Laune mit viel Farbe in mein Leben zu bringen. Was konnte da besser helfen als eine quietschebunte Decke, in der ich all mein neu erworbenes Wissen anwenden konnte? Also designte ich meine eigene Vorstellung einer Granny Square Decke, nahm mir als Anregungen verschiedene Muster aus dem Buch “The Granny Square Book”, bestellte mehrere Kilo bunte Catania-Wolle und dann ging es los mit meiner “Happy Times Decke”. Es wird sicherlich noch einige Monate dauern bis sie fertig ist – aber um euch mal einen ersten Eindruck zu verschaffen – so weit bin ich jetzt:

Happy Times Decke Stand November

 

Berlin: Schenk dich glücklich!

Ein Schenkflohmarkt…was für ein interessantes Konzept! Ich hatte schon einige Male davon gelesen und wollte auch mal unbedingt hin, aber letztendlich hat es erst letzten Sonntag zum ersten Mal geklappt. Nachdem ich vor kurzem wieder einmal reichlich entrümpelt und wir unseren Keller aufgeräumt hatten, standen 3 Umzugskartons voll mit Büchern, Zeitschriften, Geschirr, Dekoartikeln, ungeliebter Wolle und reichlich anderem Krimskrams  im Arbeitszimmer.

Kurzentschlossen zog ich, mithilfe des besten Ehemannes von allen, letzten Sonntag mit unserem Tapeziertisch, den Kisten, etwas Mut und Spaß an der Freude in Richtung Garage Pankow, wo der Schenkflohmarkt diesmal stattfinden sollte. Schon vor der Tür traf ich wie verabredet das erste bekannte Gesicht – Heike hatte ich über eine andere Facebook-Gruppe kennengelernt (ja, darüber kann man auch wirklich Menschen kennenlernen!) und wir hatten schon besprochen, dass wir gemeinsam einen Tisch machen. Gesagt getan, mit Chris’ Hilfe stand der Tapeziertisch binnen einiger Minuten, Heike spendierte eine hübsche Decke und es ging ans Auspacken und Aufstellen.

Das Verschenken selbst war eine lustige Sache, manche haben gefragt ob sie etwas bestimmtes mitnehmen dürfen, mit anderen kam ich ins Gespräch zu den Geschenken (gerade bei den Reiseführern, Foto-Fachbüchern oder Handarbeitssachen). Einige haben sich sehr über eine neue große Tasse gefreut, andere hingegen über Auflaufförmchen. Kochtipps gabs bei den Kochbüchern noch dazu und ein ganz ungeahntes Talent habe ich beim Anpreisen von Kleinkind-Kleidung & Spielzeug entwickelt (die Heike von einer anderen Facebook-Bekanntschaft mitgebracht hatte). Bei vielen netten Gesprächen, einigen neuen Bekanntschaften und einer Tasse Dattel- und Feigentee verflogen die zwei Stunden die für den Flohmarkt angesetzt waren wahnsinnig schnell. Am Schluß hatte ich nur noch 4 Bücher übrig, die ich wieder mit nach Hause genommen habe und Heike hat ihre drei Kisten auch soweit minimiert, dass sie mit einer Rest-Umzugskiste voller Kinderklamotten (die wir wohl noch als Spende wegbringen werden) nach Hause fahren konnte.

Lustiger Sonntag, immer wieder gerne! Nächstes Jahr im Januar gehts weiter :-)

Biken macht Spaß

Eine tolle Sache an Berlin sind die vielen Radwege, die sich quer durch die Stadt ziehen.
Nachdem im letzten Jahr mein relativ neuwertiges Bike aus dem Keller entwendet wurde, habe ich mir nun vor 14 Tagen endlich einen adäquaten Ersatz besorgt. Da ich dazu neige verschiedene Radfahrertypen zu kategorisieren, möchte ich den geneigten Leser gerne an dieser Liste partizipieren lassen.

Die 8 tollsten Dinge die Dir als Radfahrer auf Berlins Radwegen widerfahren können:

8) Kampf-Radler – bei Rot über die Ampel düsen, links/rechts/irgendwo überholen ohne Rücksicht auf Verluste, wenn zuviel Verkehr auf der Strasse ist gehts ab auf den Bürgersteig um sich dann weiter vorne wieder irgendwie einzufädeln.

7) Taxifahrer die zwar beim Abbiegen keine Vorfahrt haben, aber trotzdem einfach abbiegen.

6) Radfahrer die in der falschen Richtung auf dem Radweg fahren. Leute, es ist ganz einfach – immer in die gleiche Richtung fahren wie die Autos. Auf der anderen Straßenseite ist tatsächlich auch ein Weg…

5) Die/der Omi/Opi (kommt auch bei entsprechenden jungen Hipstern oder feingemachten Yuppies vor) welche sich mit ihrem klapprigen Klaurad an der Ampel vordrängelt, absteigt und erst losgefahren ist wenn die Grünphase schon wieder vorbei ist. Leider unmöglich zu überholen, da die Gesamtbreite des Radwegs gebraucht wird um loszufahren. Auch während der Fahrt ist ein Überholvorgang genauso unmöglich, da Omi/Opi/Hipster/Yuppie auch mit 10 km/h die Gesamtbreite des Radwegs benötigen.

4) Touristen mit dem Rad auf Berlins Straßen. Eigentlich sehr löblich, wenn man sich an einigen grundlegende Dinge hält. Leider scheinen die meisten Radfahrer diese Dinge zu vergessen sobald sie hier aus dem Flieger steigen. Einfach auf dem Radweg stehen bleiben – am besten noch in einer kleinen Vierergruppe – die Karte auspacken und über den Weg parlieren, kann man machen. Ebenso schlecht ist es in einer schönen Dreierreihe nebeneinander her zu fahren. Sonst ist es aber auch echt schwer sich vernünftig bei 10kmh zu unterhalten….

3) Das könnte auch an unserem Bewegungsradius rund um den Prenzlauer Berg liegen. Aber sehr häufig begegnet man hier der Konstellation Enteneltern: vorne Papi mit 10 km/h ganz links auf dem Radweg, dahinter der Nachwuchs zwischen 3-5 Jahren schlenkernd und am besten noch ganz unsicher fahrend und dahinter die Mutti, die genauso von links nach rechts pendelt und alle folgenden Radfahrer davon abhält auch nur im Ansatz übers Überholen nachzudenken. 1 Meter weiter links tobt dann der Berliner Stadtverkehr mit allem Drum und Dran. Mal ehrlich – muss das sein? Kann das nicht wie früher laufen und man fährt auf dem Bürgersteig mit Kind? Es hält sich hier doch eh niemand an irgendwelche Regeln, dann juckt das auch keinen und wäre zumindest sicherer bis das Kind sich auf dem Rad irgendwie sicher fortbewegen kann…

2) Großartig, und meine Nummer 2 – Menschen (sehr oft auch Frauen mit Kinderwagen) die eine unsichtbare und möglicherweise auch unwirksame Rüstung zu tragen scheinen und ohne zu Schauen auf die Straße/den Fahrradweg rennen. Mal im Ernst, wie konntet Ihr bisher überleben?

1) Für mich der absolute Tiefpunkt – (Klein-)Kinder/Hunde die unbeaufsichtigt mitten auf dem Radweg auftauchen. Liebe Eltern – lasst Eure Kinder niemals in der Nähe von Radwegen oder Straßen alleine laufen. Nie!!!

Neulich in der alten Heimat

Ich habe den Großteil meines bisherigen Lebens in Saarbrücken verbracht. Seit fast zwei Jahren lebe ich nun in Berlin. Aus familliären Gründen mussten wir letzten Freitag zurückfahren.

Die Anreise musste mit dem Auto erfolgen, natürlich aufgrund der aktuellen Hochwasserproblematik mit entsprechender Vorbereitung. Fast in Halle/Leipzig angekommen kam die erste kleine Hürde, die Ausmaße der Überschwemmung war teilweise gigantisch. Wir sind ab dieser Stelle aber sehr gut voran gekommen und erreichten nach sieben Stunden endlich die saarländische Landesgrenze.

Wir sind den Weg über die A6 Richtung A620 gefahren, als plötzlich und ohne Vorwarnung ein Schild “Vollsperrung” am Straßenrand auftauchte. In nicht allzuweiter Ferne standen auch schon warnblinkend etliche Fahrzeuge. Ich dachte “du hast doch eben noch extra den aktuellen Verkehrsbericht gehört?” Verwirrt fragte ich die beste aller Ehefrauen ob ich denn evtl etwas überhört haben könnte? Ela sah mich verwundert an und verneinte. Eine gute dreiviertel Stunde später – für 3 km bis zur nächsten Ausfahrt und zwei weiteren Verkehrsnachrichten (ohne eine Erwähnung der Vollsperrung) waren wir dann endlich auf der Landstraße Richtung Saarbrücken. Hier ein Dankeschön an die freundliche Nichterwähnung einer kompletten Vollsperrung! Als wir in Saarbrücken einfuhren wurde sie übrigens das erste Mal erwähnt, an sich löblich, aber eine satte dreiviertel Stunde zu spät!

Dort angekommen mussten wir dann erstmal in unser Zimmer einchecken. Parklaptz = Fehlanzeige. Ok, also ins Parkhaus, Sachen aufs Zimmer schleppen, kurz frisch machen und weiter zu Elas Mama. 25 Minuten Parken = 1,50 Euro. Also liebe Saarbrücker Stadtverwaltung – wenn die Bahnanbindung schon scheiße ist und dazu noch teuer, wundert euch mal nicht das es Menschen gibt die mit dem Auto anreisen. Im Vergleich – das Parken am Ku’damm kostet 1,50 Euro für 90!!! Minuten.

Nachdem wir Elas Mama besucht hatten, sind wir noch etwas durch die Gegend gelaufen. Am Ende unserer Runde hatten wir Durst und wollten uns noch eine Flasche Wasser mit aufs Hotelzimmer nehmen. In Saarbrücken ist das Konzept “Späti” gänzlich unbekannt. Wenn der Supermarkt um 20 Uhr schließt, gibt es ausser einem Besuch an der Tankstelle nur noch die Möglichkeit zu verdursten. Da die nächste Tankstelle recht weit weg war, musste also eine Alternative her.

Ich dachte “sei kreativ!” und ging in “Die Kartoffel” am Sankt Johanner Markt. Ich nahm meinen vorletzten Mut auf die Zunge und fragte ganz salopp und verschmitzt: “Hallo, verkaufen Sie mir eine Flasche Wasser?” Die Bedienung wirkte kurz überfordert und antwortete: “Eigentlich machen wir das nicht!” Ela hatte schneller “Und uneigentlich?” gefragt, als ich “Papp” sagen konnte, die Bedienung murmelte ein verlegenes “da muss ich kurz fragen” und wuselte aus der Gaststätte. Der Chef des Ladens saß wohl draußen und schlürfte ein Bier. 15 Sekunden später stand die Bedienung wieder im Laden und sagte “Nein, machen wir nicht!” Diesmal waren wir schneller aus dem Laden als sie “Papp” sagen konnte.

Letztendlich fanden wir übrigens eine nette Bedienung in einer anderen Laden (wer mal verdurstend nachts in SB steht: “La Bastille” rettet euch!), die kein Problem damit hatte eine einfache Flasche Wasser für drei Euro zu verkaufen.

Hatte ich schon erwähnt das Parken in Saarbrücken eine scheißteure Angelegenheit ist?
Parken im Hotel: 15 Euro
Parken im Parkhaus gegenüber: 13 Euro
Parken “im Freien”: 7 Euro

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